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TU Berlin

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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/18

VL 3132 L 541

Prof. Dr. Rafał Makała

Kirchenbaukunst und kirchliche Kunst der Reformation an der südlichen Ostseeküste im 16.-18. Jahrhundert
 
Donnerstag: 16-18 Uhr Raum: A 060 Beginn: 19.10.2017


Das erste Land Europas, in dem man die Reformation als staatliche Religion eingeführt hatte, war das Herzogtum Preußen, welches zu der Zeit ein Lehen des Königreichs Polen war. Dieses eher selten im Jubiläumsjahr der Reformation erwähnte Faktum hatte nicht allein politische Gründe, auch die Säkularisierung des Deutschen Ordens in Preußen sowie die Entstehung eines Herzogtums für Albrecht von Preußen (*1490;†1568) taten ihr Übriges. Im südlichen Ostseeraum war der Boden für reformatorische Gedanken förderlich vorbereitet, es sollte also nicht verwundern, dass Martin Luthers engster Mitarbeiter, Johannes Bugenhagen, einer pommerschen Ritterfamilie entstammte. Das schnelle Vorrücken der Kirchenreformation im südlichen Ostseeraum brachte Veränderungen in der Kunst mit sich. So kamen nach und nach um das 16. Jahrhundert neue Ideen in Umlauf, die die Entstehung etlicher interessanter Kunst erscheinungen bestärkten. Auch in den folgenden Jahrhunderten bewahrte die kirchliche Kunst jener Länder ihren eigenen Charakter, dem erst die Reformen des frühen 19.Jahrhunderts ein Ende setzten.

Die Vorlesung behandelt die wichtigsten Aspekte der Kunst, darunter auch der Baukunst, in jener Region. Schwerpunkt bilden hier v. a. ostmitteleuropäische Länder, von Pommern über Preußen bis Litauen und Livland. Im Fokus stehen dabei nicht nur egionalspezifische Erscheinungen, sondern vielmehr die Bedeutung jener Region für die allgemeine Kunstgeschichte.

Seminar Gastarbeiter im Osten. Deutsche Baumeister in Polen, Litauen und in den baltischen Ländern seit 1500 bis 1900

Prof. Dr. Rafał Makała

Donnerstag: 12-14 Uhr Raum: A 072 Beginn: 19.10.2017

Der nördliche Teil Ostmitteleuropas unterlag in der Neuzeit dem Einflussgebiet deutscher Künstler. In der nationalgeprägten Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts bis zur 1. Hälfte des 20.Jahrhunderts wurde das oft als Folge der Anziehungskraft deutscher Kultur erklärt, doch es lagen dieser Situation mehrere Faktoren zugrunde. In der Folge der mittelalterlichen Kolonisation entstanden am südlichen Ostseeraum deutschsprachige Enklaven, die zwar die Kontakte zum Deutschen Reich pflegten, anderseits aber sich an dem Leben der Staaten, in denen sie beheimatet waren, loyal beteiligten. Auch politische Verbindungen zwischen den östlichen Ländern Deutschlands, z.B. die Berufung des Kurfürsten von Sachsen auf den polnischen Thron, trugen weitgehend dazu bei, dass Ostmitteleuropa zu einem Wirkungsgebiet deutscher Künstler wurde. Die Teilungen Polens in den Jahren 1772, 1793 und 1795 waren ebenso ein Grund für den Einsatz preusischer Landbaumeister im Osten, was beispielsweise David Gillys Zeichnungen der Marienburg oder Schinkels Schlossbau in Owinsk belegen. Auch später wurden deutsche Architekten von ostmitteleuropäischen Auftraggebern berufen, wie etwa Franz Schwechten für die Residenz der Grafen Tyszkiewicz in Polangen/Połąga. Es ist ein Paradoxon, dass es sich hier oft um höchst interessante Werke der wichtigsten Künstler handelt, die jedoch aufgrund ihrer Lokalisierung weniger erforscht sind und gelegentlich ganz vergessen wurden.

Das Seminar konzentriert sich auf die wichtigsten Objekte jener Zeiten und ihrer Eingliederung in die Kunst der jeweiligen Zeit in Deutschland, um eine Übersicht der möglichen Einsatzmöglichkeiten deutscher Künstler aufzuzeigen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Kunst des ausgehenden 18.Jahrhunderts und die Werke von David und Friedrich Gilly.

Kunst der Neuzeit in Danzig und Umgebung. Exkursionsseminar

SE 3132 L 542

Prof. Dr. Rafał Makała

Freitag: 12-15 Uhr  Raum: A 072 Beginn: 20.10.2017

Danzig/Gdańsk, ist seit der Neuzeit eine tragende Kunstmetropole im Ostseeraum und wird Anhand seiner Rolle als Ort der Kunstvermittlung oft mit Venedig oder Amsterdam verglichen. Diese Analogien treffen in Teilen zu, denn einerseits war Danzig weitestgehend eine selbst ständige Republik, die, obwohl sie sich auf dem Gebiet des Königreichs Polen befand, eine eigene Identität und damit auch eine eigenwillige Kunst entwickelte. Anderseits war die Stadt sehr eng mit den Niederlanden verbunden und diente als die wichtigste Vermittlungsstelle der niederländischen Kunst in Ostmitteleuropa. Trotz der Zerstörungen des 2.Weltkriegs bietet die Danziger Kunstlandschaft die besten Möglichkeiten, mehrere Hauptfragen der Kunst des 16.-18.Jahrhunderts zu erörtern. Doch auch die verschiedenen in der Denkmalpflege und Architektur des 20. Jahrhunderts visualisierten Geschichtskonstruktionen lassen sich am Beispiel Danzigs deutlich ablesen, besonders der Versuch die historische Kunst durch die moderne Stadtgründung von Gdynia zu konterkarieren.

Das Seminar dient der Vorbereitung einer für den 21.-24. März 2018 geplanten Exkursion. Gemeinsam werden die Studenten*innen die wichtigsten Bau-und Kunstdenkmäler der Stadt Danzig sowie ihrer Umgebung besichtigen. Leitmotiv wird dabei die Konfrontation der verschiedenen Geschichtskonstruktionen in der Kunst, Kunstgeschichte und Denkmalpflege sein.

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

VL 3132 L 541

Prof. Dr. Rafał Makała

Orientalismus und Klassizismus. Schwerpunkte der Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts im polnisch-litauischen Staat

Donnerstag: 16-18 Uhr           Raum: A 060                 Beginn: 20.04.2017

Master MA-KUWI 1, 4
Bachelor BA-KulT KUWI 2, 5

Die bekannteste Eigenschaft der Kunst der Neuzeit im polnisch-litauischen Staat ist ihr Orientalismus. Diese Hinwendung zur persischen, tatarischen und v.a. türkischen Kunst wurde besonders im Textil- und Kunstgewerbe – in der Mode also – sichtbar und prägte so das Bild der polnisch-litauischen Monarchie in den Augen der Westeuropäer. Diese erstaun-liche Kunsterscheinung bedeutete dennoch keine Abkehr von der abendländischen Tradition. Im Gegenteil, das Interesse für die westeuropäische Kunst war ungebrochen groß. Die polnischen Könige und die Hochadeligen bestellten und sammelten Werke der bedeu-tendsten westeuropäischen Künstler (mit Rubens und Rembrandt an der Spitze). Parallel zum Orientalismus setzte sich nämlich eine streng klassizistische Strömung sowohl italienischer als auch niederländischer Herkunft in der polnischen Kunst durch. Eine gemeinsame Basis für die beiden Richtungen bildete u.a. die Ideologie des Sarmatismus, die die Herkunft des polnischen Adels auf die antiken Sarmatier zurückführte. In der Verbindung beider Tendenzen entstand ein Milieu, in dem solche Erscheinungen entstehen konnten wie die Kunst von Andreas Schlüter.

Die Vorlesung behandelt die wichtigsten Aspekte der polnisch-litauischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts: Residenzarchitektur, Kirchenbaukunst, Klassizismus und Orientalismus in der Mode. Stark fokussiert werden auch die einzelnen, regionaltypischen Kunst-erscheinungen wie z.B. das polnische Begräbnisbildnis, die expressive Rokokoskulptur des 18. Jahrhunderts oder die Kunst der polnischen Juden.

 

SE 3132 L 542

Prof. Dr. Rafał Makała

Der Westen des Ostens. Architektur und bildende Kunst in Großpolen (Posener Land) im 15.-19. Jahrhundert

Exkursionsseminar

Freitag: 12-15 Uhr                   Raum: A 072                  Beginn: 21.04.2017

Master MA-KUWI 1, 4, 7a
Bachelor BA-KuIT KUWI 2, 5

Das Seminar dient zur Vorbereitung und Auswertung einer für den 26.-28. Mai 2017 geplanten Exkursion. Gemeinsam mit StudentenInnen der Kunstgeschichte der Universität Posen (Poznań) werden die wichtigsten Bau- und Kunstdenkmäler jener Stadt und ihrer Umgebung besichtigt. Leitmotiv wird dabei die Konfrontation der verschiedenen Geschichtskonstruktionen in der Kunst, Kunstgeschichte und Denkmalpflege sein.

Der westliche Teil des historischen Königreichs Polen wird von westeuropäischen KunsthistorikerInnen und HistorikerInnen oft zugunsten der östlichen (Warschau) und südlichen (Krakau) Gebiete vernachlässigt. Der Name dieses Landes, Großpolen (lat. Polonia Maior) veranschaulicht dennoch die Tatsache, dass es sich um Polens Kernstück handelt, um dasjenige Gebiet, aus dem sich die polnische Monarchie entwickelt hatte. Die westliche Orientierung des Posener Landes beeinflusste die neuzeitliche Kunst jener Region sehr, schloss aber die für Polen in dieser Zeit typischen Erscheinungen (z.B. die Orientalisierung) nicht aus. Darüber hinaus wurde Großpolen im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Posen zu Preußen gehörte, zum Schauplatz einer Auseinandersetzung zwischen der preußischen Obrigkeit und den polnischen Einwohnern über den Charakter des Landes. In der Folge entstanden interessante Kunstwerke (u.a. von Schinkel, Schwechten oder Poelzig sowie führender polnischer Künstler jener Zeit), die das nationalspezifische Bild der Geschichte formen sollten. Auch in der Denkmalpflege und im Museumswesen wurden diese Auseinandersetzungen sichtbar (z.B. die Gründung der Raczynski-Bibliothek und des Kaiser-Friedrich-Museums). Im 20. Jahrhundert wurde diese Tätigkeit fortgesetzt – sowohl nach der Wiederentstehung Polens (1918) und nach 1945 als auch während des Zweiten Weltkrieges, als das Posener Land in die Grenzen des Dritten Reiches als s.g. Warthegau eingegliedert wurde.

Die TeilnehmerInnenzahl ist auf 10 begrenzt. Anmeldungen bitte bis zum 20.4.2017 per E-Mail an r.makala@tu-berlin.de

 

SE 3132 L 546

Prof. Dr. Rafał Makała

Kunstwanderungen zwischen den neuzeitlichen Höfen in Mitteleuropa

Donnerstag: 12-14 Uhr            Raum: A 060                   Beginn: 20.04.2017

Master MA-KUWI 1, 4
Bachelor BA-KuIT KUWI 2, 7

Das Zeitalter zwischen der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg war die Blütezeit der kleinen Herzogtümer im Osten des deutschen Reiches und im Umkreis der polnisch-litauischen Monarchie. Ein Grenzgebiet, in dem die politischen Kämpfe der Großmächte ausgetragen wurden (darunter auch Dänemarks und später Schwedens). In diesem Gebiet – das u.a. aus Pommern, Schlesien und Preußen bestand – überlagerten sich die italienischen und niederländischen Einflüsse. Im 18. Jahrhundert wurde diese Region durch die Grenzen der Großmächte und später, im. 19. und 20. Jahrhundert, der Nationalstaaten geteilt. Infolge dessen wurde die Kunstgeschichte jener Grenzregion oft aus der Perspektive der modernen Nationen geschrieben; damit verlor man die Gemeinsamkeiten dieser Territorien aus den Augen. Denn die deutschsprachigen Höfe des 16. und 17. Jahrhunderts in Ostmitteleuropa teilten ähnliche kulturelle Werte, zeichneten sich durch ein spezifisches Standesbewusstsein aus und standen vor der besonderen Herausforderung, sich gegen Kaiserreich, Polen und Skandinavien behaupten zu müssen. Der Austausch zwischen diesen Höfen war genauso bedeutend wie die lokale Tradition. Die über Generationen erhaltenen Verbindungen – die nicht selten durch Frauen gepflegt wurden – resultierten in der Migration und im Austausch von Kunstwerken, Künstlern und Konzepten, die dann (dank der führenden Rolle des Hofes im Lande) einen Einfluss auf die regionale Kunst ausübten.

Ziel des Seminars ist es einerseits, die Residenzen in Stettin, Güstrow, Brieg, Küstrin, Königsberg u.a. als Bauwerke in ihrer Blütezeit zu erforschen und dadurch die Bedeutung der Dynastien Ostmitteleuropas kennenzulernen. Darüber hinaus bietet das Seminar die Möglichkeit, Arbeitsmethoden des Kunsthistorikers, wie das Zusammenstellens des Forschungsstandes, die kritische Lektüre von Quellen und der bisherigen wissenschaftlichen Literatur einzuüben und anzuwenden, um anhand so erworbenen Wissens synthetische Texte zu den einzelnen Residenzbauten zu erstellen.

 

CO 3132 L 558

Prof. Dr. Rafał Makała

Forschungscolloquium zur Kunst in Ostmitteleuropa            

Freitag 15-17 Uhr, Raum A 072

Das Colloquium soll den Studierenden die Möglichkeit geben, sowohl ihre Themen um Vergleichsobjekte und Parallelen aus jenem Gebiet zu bereichern, als auch auf Ostmitteleuropa fokussierte Forschungsarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen zu schreiben. Es werden dabei einzelne Fragen und ganze Arbeiten vorgestellt und diskutiert – unter der Berücksichtigung der Reflexion über die Methodik der modernen Kunstgeschichte. Darüber hinaus werden wir auch die neuesten Fragen der Kunstgeschichte Ostmitteleuropas diskutieren, Ausstellungen besuchen und nachbereiten und uns mit anderen Problemen der Kunstwissenschaft beschäftigen. Anfangstermin sowie weitere Termine werden noch bekannt gegeben.

 

 

SE 3132 L 536

Ilka Waßewitz

Diesseits von Eden – Gartenkunst vom 16. bis frühen 19. Jahrhundert

Mittwoch: 14-17 Uhr             Raum: A 072                    Beginn: 19.04.2017

Master  
Bachelor BA-KuIT-KUWI 2, 7

Historische Gärten sind zweifelsohne ein besonderer Gegenstand der Kunstgeschichte, reflektieren sie doch im Zusammenspiel von Pflanzen, Elementen, Architektur und Bildender Kunst per se das paradigmatische Verhältnis von Kunst und Natur. In der Frühen Neuzeit erfüllten Gärten eine ganze Reihe unterschiedlichster Funktionen: Sie dienten als Orte des Rückzugs und der Kontemplation, waren Mittel der Herrschaft und Repräsentation oder Bühne für Feste und Spiele. Aufbau und Ausstattung formaler Gärten variierten natürlich je nach Territorium, Auftraggeber und Jahrhundert. Paradigmatisch war jedoch die besondere Beziehung zur Architektur, als deren räumliche Fortsetzung der Garten angesehen werden kann.

Im Seminar sollen an ausgewählten europäischen Beispielen aus vier Jahrhunderten formale Gestaltung und Ausstattung, Lustgebäude, Grotten, Staffagen, Wasserspiele sowie weitere Elemente und Funktionen ebenso zu Sprache kommen, wie die in der Kunstgeschichte gern vernachlässigte pflanzliche Zusammensetzung der Gärten. Der gartenhistorische Überblick von der Renaissance bis zur Aufklärung und Romantik reflektiert nicht zuletzt die Etablierung der Gartenkunst als Gattung unter den Künsten. Ferner führt uns die Tatsache, dass – bedingt durch die Vergänglichkeit der Gartenelemente, Klima- und Wettereinflüsse sowie spätere Veränderungen – kein historischer Garten aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert in seinem Originalbestand erhalten ist, Probleme in der Auseinandersetzung mit historischen Gärten und der Gartendenkmalpflege vor Augen, die ebenfalls zu thematisieren sein wird.

 

 

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Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis des Fachgebiets Kunstgeschichte